Polizeieinsatz auf dem Campus
Göttinger Unileitung ließ Aktion für Studententreff beenden. Protestdemonstration angekündigt
Von Reimar Paul 
Die Polizei hat gestern morgen in Göttingen einen seit zwei Wochen von Studierenden besetzten Seminarraum auf dem Campus geräumt. Dabei gab es nach Angaben einer Universitätssprecherin keine größeren Zwischenfälle. Zum Zeitpunkt des Polizeieinsatzes hätten sich lediglich drei Studenten in dem Raum aufgehalten. Ob gegen sie Anzeige wegen Hausfriedensbruch gestellt werde, sei noch nicht entschieden. Sprecher der Besetzer kritisierten dagegen, daß die Hochschulleitung mit Polizeigewalt gegen Angehörige der Universität vorgegangen sei.
Rund 40 Studierende hatten den Raum im Mehrzweckgebäude der Uni Mitte Januar besetzt und dort ein Café eingerichtet. Abends und an den Wochenenden gab es Lesungen und Konzerte. Vor allem linke Hochschulgruppen hatten monatelang vergeblich von der Universität einen selbstverwalteten Raum gefordert. Im vergangenen Jahr hatte die Hochschulleitung das studentische »Café Kollabs« im Keller der sozialwissenschaftlichen Fakultät ohne offizielle Begründung geschlossen. Zuvor war ein Brand in dem Gebäude ausgebrochen, ein Feuerwehrmann kam bei den Löscharbeiten ums Leben. Vermutungen, das Feuer sei damals durch einen Kurzschluß im »Café Kollabs« entstanden, wurden nicht bewiesen.
Durch die Besetzung kam zunächst neuer Schwung in die Verhandlungen. Der Präsident der Universität, Professor Kurt von Figura, sicherte zu, man werde den Studierenden bis zum Beginn des Sommersemesters eine entsprechende Räumlichkeit zur Verfügung stellen. Bis dahin bot er alternativ zwei Übergangslösungen an, die von den Besetzern unter anderem wegen fehlender sanitärer Anlagen abgelehnt wurden. Figura erklärte daraufhin, weitere Zugeständnisse der Universität seien nicht vertretbar. Die Besetzer riefen für den Abend zu einer Demonstration gegen die Räumung auf.
Quelle: jW

