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8. November 2008

Bischof Müller: “Aber der Mensch ist mehr als Wirtschaft und Finanzmarkt.”

Abgelegt unter: Nachrichten — Dano @ 18:43

Scharfe Kritik an der Hochschulpolitik - Bischof und SPD beklagen Verschulung des Studiums - Minister Heubisch verteidigt Linie –Von Petr Jerabek–

München (ddp-bay). Der neue bayerische Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) sieht sich kurz nach seinem Amtsantritt scharfer Kritik an der Hochschulpolitik im Freistaat ausgesetzt. Sowohl die SPD-Hochschulexpertin Adelheid Rupp als auch der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller beklagten am Wochenende eine zunehmende Verschulung des Studiums. Ferner kritisierten beide, dass Ingenieur- und Naturwissenschaften derzeit stärker gefördert würden als Geisteswissenschaften. Heubisch verteidigte die bayerische Hochschulpolitik.

Der Minister hatte sich am Mittwoch und Donnerstag mit Vertretern der beiden Hochschulverbünden, Universität Bayern e.V. und Hochschule Bayern e.V., zu Gesprächen getroffen. Am Montag (10. November) will der Minister zusammen mit den Spitzenvertretern der Vereinigungen über die «Eckpunkte künftiger bayerischer Hochschulpolitik» informieren.

Rupp zeigte sich skeptisch: «Ich bin nicht besonders erwartungsvoll», sagte sie. Im Koalitionsvertrag sei alles unter Finanzierungsvorbehalt gestellt, kritisierte die SPD-Politikerin. Die Frage der Studiengebühren sie nicht gelöst worden. Dabei zeigten sinkende Studentenzahlen beispielsweise in Würzburg klar, dass durch die Gebühr eine weitere soziale Auslese erreicht werde. Von der FDP erwarte sie in dieser Frage «gar nichts».

Rupp kritisierte ferner, dass die Umsetzung neuen Bachelor- und Masterstudiengänge «nicht wirklich gelingt». Die Ankündigung aus der Koalitionsvereinbarung, dies zu evaluieren, sei «deutlich zu wenig». Dabei sei jetzt schon eine «völlige Verschulung» des Studiums zu beobachten. Es sei «sehr bedauerlich», dass die Hochschulen immer stärker nur noch Orte der Berufsausbildung seien. Der traditionelle Anspruch an Hochschulen, über den Beruf hinaus junge Menschen zu bilden, damit junge Akademiker gesellschaftliche Verantwortung übernehmen könnten, komme hier zu kurz.

Auch Bischof Müller kritisierte, es gebe «insgesamt eine Tendenz zur Verschulung des Studiums». Das Studium werde nur noch als Vorbereitung für das Arbeitsleben gesehen. «Und die Effizienz einer Universität wird daran gemessen, wie viele qualifizierte Leute unmittelbar in den Wirtschaftsprozess eintreten können.» Das Ziel einer Universität sei aber ein anderes: «Da geht es nicht nur um Ausbildung, sondern eben auch um Bildung und umfassende Entwicklungen des Geistes und der Kultur.» Deshalb müssten in Zukunft die Geisteswissenschaften «ganz neu gefördert werden».

Derzeit würden Fachbereiche wie Theologie, Philosophie und Geschichtswissenschaft weniger geschätzt als naturwissenschaftlich-technische Studiengänge, «weil sie diesem Effizienzkriterium, das von der Wirtschaft von außen her an die Universität herangetragen wird, nicht genügen können». Der Bischof mahnte: «Aber der Mensch ist mehr als Wirtschaft und Finanzmarkt.»

Heubisch entgegnete: «Ich bin strikt dagegen, Natur- und Ingenieurwissenschaften und Geisteswissenschaften gegeneinander auszuspielen». Technischer Fortschritt und geisteswissenschaftliche Auseinandersetzung seien «zwei Seiten einer Medaille». Die Natur- und Ingenieurwissenschaften leisteten einen «wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Zukunftssicherung unseres Landes». Die Geisteswissenschaften dagegen könnten die Antworten auf die drängenden Fragen der Zeit liefern, wie die Diskussion um Gentechnik oder Stammzellforschung zeige, sagte der Minister.

Quelle: http://www.ad-hoc-news.de/Zusammenfassung-Scharfe-Kritik-an-der-Hochschulpolitik–/de/Politik/19835233

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