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29. Oktober 2009

NeueinsteigerInnen-Treffen am 16.11.2009

Abgelegt unter: Hochschule, Termine — katja @ 12:51

Der SDS Regensburg lädt alle politisch interessierten Studierenden ein zum NeueinsteigerInnen-Treffen am kommenden Montag um 17 Uhr im AStA, Studentenhaus, 1. Stock, Zimmer 1.26   (über der Uni-Pizzeria). Wir wollen euch einen Einblick geben in die Struktur und die inhaltliche Ausrichtung des SDS, über unsere bisherige und zukünftige Arbeit und gemeinsam mit euch über hochschulpolitische Themen diskutieren.

12. Juni 2009

Der SDS Regensburg ruft zum Bildungsstreik auf!

Abgelegt unter: Hochschule — Modl @ 22:51

 Vom 15.-19.06.09 findet im Zuge des bundesweiten Aufrufs auch in Regensburg der Bildungsstreik statt. Dabei setzen sich Studierende an der Seite von vielen sozialen Initiativen, Elternverbänden, Gewerkschaften, politischen Organisationen und SchülerInnen, für ein sozialeres und gerechteres Bildungssystem ein. Der SDS Regensburg unterstützt die geplanten Aktionen, allen voran die Demo am 17.06.09 (Treffpunkt 10.00h Uni-Kugel) ausdrücklich und ruft alle Studierenden, ProfessorInnen, DozentInnen und all diejenigen, die für ein besseres Bildungssystem eintreten, auf, sich am bundesweiten Bildungsstreik zu beteiligen. Mehr Infos gibt´s unter:http://bildungsstreik2009regensburg.jimdo.com/

4. November 2008

ITALIEN

Abgelegt unter: Hochschule — Dano @ 02:57

Berlusconi rudert zurück

Studentenproteste in Italien erzwingen Verschiebung der Universitätsreform

Micaela Taroni, Rom

Die italienische Regierung zeigt sich von den massiven Studentenprotesten der vergangenen Tage beeindruckt. Ministerpräsident Silvio Berlusconi kündigte am Montag an, das geplante Dekret über eine Universitätsreform vorerst nicht zu verabschieden. Das Dekret sieht beträchtliche Einsparungen im Universitätsbereich vor. Neueinstellungen von Professoren und Assistenten sollen eingefroren werden.
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30. Oktober 2008

Schavan halluziniert über Studiengebühren

Abgelegt unter: Hochschule, Nachrichten — Dano @ 14:14

Vor einer Woche besuchte die Bundesbildungsministerin die Stadt Regensburg und auf die Frage nach Studiengebühren, bestritt sie jegliche soziale Ungerechtikgkeit und verteidigte die Gebühren nach ordentliche neoliberaler Manier als notwendig und sinnvoll. Kein Wort über die erst kürzlich bekannt gewordene Studie ihres eigenen Ministeriums, wonach immer mehr AbiturientInnen sich wegen der anfallenden Gebühren immer seltener für ein Studium entscheiden.

Entweder herrscht bei der Frau Ministerin schlicht Realitätsverweigerung oder die Beschränkung der Hochschulzugänge für privilegierte Klassen ist von IdeologInnen wie Schavan gewollt. Dass aber gerade in der BRD im Vergleich zu anderen Industrienationen ein Mangel an AkademikerInnen herrscht und dass die darunter liegenden Bildungswege in der BRD und Österreich laut mehreren internationalen Untersuchungen eins der sozial selektivsten und somit das am meisten den Abgrenzungsinteressen der herrschenden Klasse dienende Bildungssystem ist, scheint den großkopferten Ageordneten Schnuppe zu sein.

Wir als SDS und gemeinsam mit unseren Partnern werden weiterhin auf diese Sauereien aufmerksam machen und dagegen angehen.

http://www.tvaktuell.com/default.aspx?showNews=292891&ID=846

30. September 2008

Österreich schafft Studiengebühren ab

Abgelegt unter: Allgemein, Hochschule — Dano @ 12:31

Wie in Hessen machte auch in der Alpenrepublik eine freie Mehrheit die Entscheidung möglich

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24. Juni 2008

Demosntration des Asta Uni Lüneburg für mehr Bildungsinverstitionen

Abgelegt unter: Aktionen, Hochschule, Nachrichten — Dano @ 14:45

Pressemitteilung AStA Universität Lüneburg 20.06.2008
Die Region stärken! – Universitätsstandort Lüneburg – nicht umsonst!
Breites gesellschaftliches Bündnis ruft zur Demonstration am 24.06.2008 auf.
Heute bereits studentische Kreativaktion vor dem Landtag in Hannover
In der Universitäts- und Hansestadt Lüneburg ruft ein breites gesellschaftliches Bündnis aus
Universität, Politik und lokalen Akteuren dazu auf am Dienstag, den 24. Juni 2008
gemeinsam für den Hochschulstandort und eine angemessene Finanzierung durch das Land
Niedersachsen zu demonstrieren. Um 12.00 Uhr werden die Demonstrant/innen von
Gebäude 10 auf dem Campus Scharnhorststraße in Richtung Lüneburger Marktplatz
aufbrechen. Ab 13.30 Uhr sind alle Lüneburger/innen zur Abschlusskundgebung auf den
Marktplatz eingeladen, um dort für das Interesse der Region an einer umfassend finanzierten
Universität einzutreten.
Bereits heute machten mehrere Studierende in einer spontanen künstlerischen Aktion in
Sichtweite des Landtages, vor dem Finanzministerium und vor dem Ministerium für
Wissenschaft und Kultur auf die Demonstration und die Unterfinanzierung der Lüneburger
Universität aufmerksam. Mit provokanter Symbolik verdeutlichten die Studierenden die Art
und Weise des Umgangs des Landes mit seiner Lüneburger Universität.
Die mit Abstand am schlechtesten finanzierte Hochschule des Landes leistet seit Jahren mit
den zur Verfügung stehenden Mitteln beinahe Übermenschliches. Sie ist deutschlandweit für
ihre einzigartigen Studiengänge und die zahlreichen, von allen politischen Parteien hoch
gelobten Veränderungen der letzten Jahre bekannt (Umwandlung in eine
Stiftungsuniversität, Fusion mit der Fachhochschule Nordostniedersachsen, Bologna
Modelluniversität, Neuausrichtung). Das stetige Versprechen des Landes auf eine
angemessene Finanzierung wurde bislang jedoch nicht erfüllt.
Nun steht die Universität vor einer schwierigen Entscheidung: Ihre finanziellen Mittel reichen
nicht aus, um alle ihre Stärken aufrecht zu erhalten und weiterzuentwickeln. Ohne eine
angemessene und gerechte Finanzierung durch das Land stehen einbrechende
Studierendenzahlen und die Schließung von deutschlandweit angesehenen Fächern in
Aussicht. Die umfangreichen Bemühungen von Region, Universität und Ihren Mitgliedern für
eine zukunftsweisende Entwicklung werden so konterkariert.

Kontakt: www.asta-lueneburg.de buero@asta-lueneburg.de

21. Juni 2008

25.07. :: ver.di campus :: JOBBEN & STUDIUM

Abgelegt unter: Hochschule, Nachrichten, Termine — Dano @ 16:39

Liebe MitstreiterInnen,

am 25.07.2008 um 17.30 findet im Hörsaal H14 an der Uni Regensburg eine Vernastaltung der neu gegründeten Hochschulgruppe ver.di campus statt. Dabei wir es um das Thema Jobben & Studium gehen, d.h. verschiedene Fragen werden angesprochen rund um das Thema Studieren, Arbeiten, Praktika, Arbeitsrecht, Entlohnung, etc. etc. Wir rufen euch alle auf zu kommen.Auf dem Podium werden sprechen:

Verena Schlecht (Studentin in Regensburg)

Andreas Schmal (DGB Oberpfalz)

VertrerIn der Beschäftigten an der Uni Regensburg

Der Eintritt ist frei.

12. Juni 2008

Bildungsreform als Herrschaftsinstrument

Abgelegt unter: Hochschule, Kapitalismus, Nachrichten, Politik — Dano @ 01:53

Kaum irgendwo wird derzeit so viel “Reform”-Kraft entfaltet wie im deutschen Bildungssystem. An vielen Stellen wird reformiert, um- und neugestaltet. Die in großen Teilen hiergegen kontext-argumentativ wehrlose Linke sieht sich mit scheinbar zusammenhanglosen Versatzstücken technokratischer Modernisierung konfrontiert, die sie mit dem Ruf “Bildung ist keine Ware!” oder mit der Forderung, mehr Arbeiterkinder sollten an die Hochschulen gelangen können, zu parieren versucht. Dabei bilden diese “Reformen” sehr wohl ein einheitliches Bild, wenn man sie aus materialistischer Perspektive betrachtet. Die linke Kritik verharrt überall dort, wo sie diese Perspektive negiert, gar zu oft in einer affirmativen Position, die nur das Bestehende verteidigt oder schützt.Im Folgenden wird der Versuch unternommen, die Zusammenhänge zu verdeutlichen und einer neuen und weitergehenden Kritik den Boden zu bereiten. Hierzu wird zunächst der Bereich der höheren Bildung betrachtet und dann im Rahmen einer Gesamtperspektive auch der Primar- und Sekundarbereich. Jens Wernicke hat uns diesen Beitrag zur Verfügung gestellt.

Die technokratische Hochschul(struktur)reform

Dominantes Zielmodell der gegenwärtigen Hochschulstrukturreform, das mit Stichworten wie Studiengebühren, Umstellung auf zweistufige Studiengänge (Bachelor und Master), Globalhaushalt, leistungsorientierte Mittelvergabe, Exzellenz-Initiative, Elite-Universitäten, Internationalisierung, Modularisierung, Stärkung der Leitungsorgane und leistungsorientierte Bezahlung für Wissenschaftlerinnen grob umrissen ist, ist die Vorstellung der Hochschule als marktgesteuertes Dienstleistungsunternehmen, das im Wesentlichen auf drei Eckpunkten beruht.

Implementation marktförmiger Wettbewerbsmechanismen

Die Hochschulstrukturrefom zielt erstens auf die Durchsetzung marktförmiger Wettbewerbsmechanismen als neuen Steuerungsinstrumenten (zu deren Wirkungen und Kritik vgl. Hoffacker 2003) innerhalb der Hochschulen sowie auch im Verhältnis zwischen diesen und dem Staat ab.

Zielvorstellung dieser Umstrukturierungs- und Implementationsmaßnahmen, wie sie unter anderem das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) (vgl. Bennhold 2002) entwirft, ist dabei stets “das Dienstleistungsunternehmen Hochschule, das sich in Konkurrenz mit anderen Anbietern auf einem Wissensmarkt zu behaupten hat, indem es dort die von ihm angebotenen Produkte und Dienstleistungen – Ausbildung von Studierenden und wissenschaftli-chem Nachwuchs sowie Erzeugung verwertbarer Forschungsergebnisse – an kaufkräftige Nachfragerinnen und Nachfrager, […] absetzt” (Keller 2005a: 5).

Dies verdeutlicht sich, wenn man sich die üblichen Schritte der Implementation dieser Mechanismen ansieht:
Die Lehr- und Forschungsleistungen werden evaluiert und somit vergleichbar gemacht. Dies gilt “unabhängig davon, ob die gewonnenen Daten tatsächlich zutreffende Informationen über die Qualität der Hochschulleistungen vermitteln” (ebd.).

Erfolgs- respektive leistungsorientierte Mittelvergabe sorgt für einen Ansporn, systemkonforme Leistungssteigerungen zu erreichen, indem Erfolge und Misserfolge in finanzielle Anreize oder Sanktionen umgemünzt werden. So werden Hochschulen untereinander, aber auch hochschulinterne Untergliederungen (Fakultäten, Lehrstühle) in ein direktes Konkurrenzverhältnis um Ressourcen gesetzt.

Mittels Studiengebühren werden Studierende zu zahlenden Kundinnen und Kunden ihrer Hochschulen transformiert. Auch hier wird erwartet, dass die “Hochschulen bzw. deren Untergliederungen um die Kaufkraft der studentischen Kundinnen und Kunden konkurrieren” (ebd.: 6). Zudem sollen Studierende auch dadurch zur Einführung marktförmiger Wettbewerbsmechanismen beitragen, dass sie selbst die künftige “Rendite” ihrer Bildungsinvestitionen schärfer kalkulieren.

Umstrukturierung der inneren Verfassung der Hochschulen

Als Pendant zur Stärkung dieser Art “Finanzautonomie” der Hochschulen findet zeitgleich eine “Umstrukturierung der inneren Verfassung der Hochschulen nach dem Vorbild einer Unternehmensverfassung” (ebd.) statt. Die Neubestimmung der inneren Organisation der Hochschulen orientiert sich dabei an jener der Unternehmensorgane Vorstand und Aufsichtsrat in einer Kapitalgesellschaft. Insofern geht es mittelfristig nicht etwa nur um eine institutionelle Ausdifferenzierung von Grundsatzentscheidungen und Kontrollfunktionen, sondern um “eine Reduktion von Senat und Fachbereichsrat auf bloße Aufsichts- und Beratungsfunktionen” (ebd.) zugunsten einer Übertragung aller Entscheidungsbefugnisse an die hochschulischen Leitungsorgane – eine Maßnahme, die sich nicht nur gegen die Mitbestimmung an den Hochschulen, “sondern gegen die im Status der Hochschulen als Körperschaften des öffentlichen Rechts verankerte Selbstverwaltung selbst” (ebd.: 7) richtet und in der Folge auch eine Entmachtung der bisher privilegierten Gruppe der Professorinnen und Professoren “zugunsten eines verselbstständigten Hochschulmanagements” (ebd.) bedeutet.

Gesellschaftliche Legitimation durch Dritte

Perspektivisch soll dabei ein aus Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik bestehender Hochschulrat die Funktion des Aufsichtsrates des Unternehmens Hochschule übernehmen. Eine erste Studie der Universität Duisburg-Essen zur tatsächlichen Rekrutierung solcher Gremien liefert jedoch ein anderes Bild: Tatsächlich erobern vor allem Manager und also Technokraten derzeit die “Kontrolle an den Unis” (Gillmann 2007) für sich, und es ist bereits abzusehen, “dass die Abhängigkeit einer Universität von ihren [nicht-staatlichen] Finanzierungsquellen einen deutlichen Einfluss darauf hat, wie ihr Hochschulrat zusammengesetzt ist” (Uni Duisburg-Essen 2007).

Üblicherweise machen die privaten Träger mittels dieser von US-amerikanischen Privathochschulen bekannten Räte ihren Anspruch auf Kontrolle und Steuerung der von ihnen finanzierten Einrichtung geltend. “Ein von Dritten bestelltes Aufsichtsorgan passt jedoch nicht zu einem staatlichen Hochschulsystem, in welchem eben nicht Private, sondern der demokratisch legitimierte Staat Hochschulträger und -finanzier ist. Der Einrichtung von Hochschulräten liegt letztlich ein hochschulverfassungsrechtlicher Paradigmenwechsel zugrunde, der die zentrale Legitimationsinstanz für die Hochschulentwicklung weder beim Staat noch bei der hochschulischen Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden, sondern bei Dritten ansiedelt. Dem öffentlichen Eigentum an den Hochschulen wird dieser Paradigmenwechsel nicht gerecht, da er letztlich auf eine institutionelle Privatisierung des Hochschulwesens” (Keller 2005a: 6) hinausläuft.

“Wissenschaftsfreiheit” und “Hochschulautonomie”

In diesem Kontext hat sich auch das Verständnis der hochschulischen Autonomie diametral gewandelt: “Während [diese] […] ursprünglich im Sinne eines institutionellen Pendants zum individuellen Grundrecht der Wissenschaftsfreiheit als konsequente Weiterentwicklung der akademischen Selbstverwaltung verstanden wurde, erscheint die Forderung nach Globalhaushalt und Finanzautonomie im 21. Jahrhundert [nur noch] als Konsequenz der geforderten Marktpositionierung des Unternehmens Hochschule” (Keller 2005b: 251).

Während Hochschulautonomie also einst die Forderung bezeichnete, der Staat möge die Hochschulen zwar aushalten und ihren Betrieb gewährleisten, sich aus ihrer inneren Organisation jedoch heraushalten und diese einer demokratischen Selbstbestimmung der in ihr agierenden Statusgruppen überlassen, bedeutet diese heute vor allem die Aufgabe staatlicher zugunsten marktförmiger Steuerung, welche zudem auch Marktversagen im Sinne eines Scheiterns am Markt und also ein Ende des staatlich garantierten Globalschutzes wissenschaftlicher Institutionen im Sinne einer sicher gewährleisteten (Unter) Finanzierung impliziert:

“Bei genauer Betrachtung entpuppt sich […] die umfassende Wirtschafts- und Finanzautonomie der Hochschulen [des 21. Jahrhunderts] im Kontext des Modells Unternehmen Uni [somit] als spezifische Form der Fremdsteuerung der Hochschulen: als Heteronomie” (ebd.: 251 f.). Diese berührt deswegen auch die Wissenschaftsfreiheit selbst, weil ob der Einzug haltenden Marktsteuerung an den Hochschulen nun auch der einzelne Wissenschaftler und die einzelne Wissenschaftlerin institutionell dem unmittelbaren – statt wie bisher meist mittelbaren – Diktat der Nachfrageorientierung unterworfen werden wird: Diesem nicht gerecht zu werden, stellt ein institutionell organisiertes “Leistungsversagen” und also “schlechte Wissenschaft” im Sinne der nun neu implementierten Regeln des wissenschaftlichen Feldes dar – und läuft insofern auf die institutionalisierte Aufgabe der bisher zumindest potentiell vorhandenen Kritikfähigkeit der Wissenschaft gegenüber Herrschaft und dieser rechtfertigender Ökonomie hinaus. Kritik wird perspektivisch nur noch innerhalb von Marktregeln – also wo sie nachgefragt wird – oder aber ausschließlich innerhalb der individuellen Freizeit des alsbald vollumfänglich ökonomisch agierenden wissenschaftlichen Subjektes, also neben der institutionellen Arbeit, möglich sein.

Insofern stellt die derzeitige Entwicklung nicht etwa, wie bspw. Alex Demirovic (2004) argumentiert, eine “Zerstörung wissenschaftlicher Rationalität”, sondern lediglich deren finale Indienstnahme durch die bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft respektive die in ihr materiell Herr-schenden dar: In Zeiten andauernder herrschafts-gefährdend-systemischer Krise, die ab etwa Mitte der 1970er Jahre wegen rapide sinkender Profitrealisierungsoptionen hintergründig stets schwelte und nun zunehmend deutlich wird, erfolgt als Antwort auf diese die “reelle Subsumtion [auch und insbesondere] der Wissenschaft unter das Kapital” (Keller 2000: 117) und somit unter die Gesetze des Marktes, wie sie in den USA seit ehedem stattgefunden hat. Die wissenschaftliche Rationalität bleibt hierbei an sich zwar gewahrt, wird jedoch endgültig äußeren Zwecken untergeordnet und somit vollumfänglich instrumentalisiert (vgl. Horkheimer 2007).

Bildungs-“Reformen”: Vermarktlichung, Konkurrenz und Herrschaftslegitimation bei wachsender sozialer Ungleichheit

Auch wenn die soziostrukturellen Wirkungen der Umsetzung dieser Subsumtion noch nicht in Gänze absehbar sind, ist deren Gesamttendenz doch bereits offenbar. Unter der als Zielvorgabe formulierten Marktöffnung staatlicher Bildungsdienstleistungen ab der Sekundarstufe II (vgl. Lohmann/Rilling 2002) sowie vor dem Hintergrund inzwischen hegemonialer Konzepte für die zukünftige Verfasstheit des Systems der Bildungsfinanzierung (vgl. Schaubild 1), zeichnet sich diese deutlich ab.

So sorgen bspw. Studiengebühren (die letztlich das Tauschverhältnis von kulturellem und ökonomischem Kapital zugunsten der ökonomisch Herrschenden verschieben), Globalhaushalte, Modularisierung, leistungsorientierte Mittelvergabe und Besoldung sowie eine Stärkung der hochschulischen Leitungsorgane für die finale Verwarenförmigung von “Bildung” und/oder Ausbreitung betriebswirtschaftlicher Steuerungsmechanismen und Organisationsformen im staatlich organisierten Hochschulbereich. Und korrelieren die Vorstellungen von Bachelor und Master, Internationalisierung und Europäischem Bildungsraum nicht nur mit Marktvorstellungen (vgl. Masschelein/Simons 2005, Krautz 2007: 143 ff.), sondern, in der Realisierungspraxis der zweistufigen Studiengänge, welche für die Mehrheit der Studierenden ein Studienende nach dem ersten Abschluss vorsieht (vgl. KMK 2003), überdies mit der Möglichkeit, knapper werdende staatliche Mittel – diese Prämisse ist bildungsökonomisch gesetzt – in Form von Bildungskürzungen für die Mehrheit derselben zu kompensieren, während eine wahrscheinlich stärker als bisher sozial, weil “leistungs”-selektierte Minderheit von Masterstudierenden, Promovierenden etc. hiervon verschont bleiben wird.

Und den durchsetzungsstarken Interessen nach sozialer Reproduktion der Privilegiertesten unter diesen (vgl. Hartmann 2004) spielen schließlich die das Hochschulwesen nach dem Misserfolg entsprechender Versuche in den 1950er und 1960er Jahren nun doch vertikal differenzierenden Praxen von Exzellenz- bzw. Elite-Universitäten als notwendige Eingangstore zur “Zwei-Klassen-Universität” (Hartmann, zitiert nach Echo Online 2007) in die Hände – eine Perspektive, die geradezu dazu verleitet, die Verstärkung des Wettbewerbs im Hochschulwesen als mutwillige “Verschleierung des [eigentlichen] Kernproblems” (ebd.) desselben auf Kosten der Lebenschancen und -bedingungen von Mehrheiten – zu denen neben Studierenden und Mittelbau sehr wohl auch, zumindest in ihrer Breite, die Lehrenden gehören – anzusehen.

Schaubild 1: System der Bildungsfinanzierung, zukünftige Verfassung
(nach Schöller 2006: 307)

“Die Zukunft des Bildungssystems”

Aus dieser Analyse-Perspektive ist Bultmann und Schöller (2003) und ihrer Arbeit “Die Zukunft des Bildungssystems: Lernen auf Abruf - eigenverantwortlich und lebenslänglich!” zuzustimmen, die die aktuell zu beobachtende Konzentration bildungspolitischer Bemühungen auf den Vor- und Primärschulbereich bei zeitgleichem Aus- und Aufbau von Selektionsmechanismen im Bereich höherer Bildung (vgl. Wernicke 2006b) vor allem als marktkonforme und die Reproduktionsinteressen vor allem der ökonomisch Herrschenden wahrende “Modernisierung von Auslesemechanismen” (Bultmann/Schöller 2003: 14) begreifen: “Unten” werden Bildungshürden abgebaut, “oben” kommen, ab dem Abitur, immer neue hinzu.

In der Konsequenz laufen, so die Interpretation von Bultmann und Schöller verkürzt, die stattfindenden und zu erwartenden Reformen dabei auf einen im Geiste der Humankapitaltheorie radikal erhöhten Lern- und Leistungsdruck für alle Bürgerinnen und Bürger bereits ab dem Kindergarten(-alter) hinaus.

Hinsichtlich der Studienabschlüsse bedeutet dies bei verschärfter Bildungskonkurrenz (mittels weiterhin forcierter formaler Öffnung der Hochschulen bei gleichzeitiger Senkung der staatlichen Zuwendungen für diese), dass deutlich mehr Studierende als bisher einen zu Teilen eigenfinanzierten Bachelor-Abschluss erwerben werden, dessen Wert somit rapide sinkt, während einen Mastertitel und ggf. die Promotion an Einrichtungen, deren legitimes kulturelles Kapital dank der Vertikaldifferenzierung des Systems nun bei weitem mehr als das anderer wert sein wird, nur noch die wenigsten Studierenden erreichen werden, die zudem in der Regel die ohnehin gesellschaftlich Privilegiertesten sein werden.

Insofern ist das Konglomerat der “Reform”-Maßnahmen, denen aktuell das deutsche Bildungssystem unterworfen wird, als (erneute) gesamtgesellschaftliche Modernisierung im Sinne einer höheren Verfügungsnotwendigkeit über kulturelles Kapital im gesamten sozialen Raum, verbunden mit der Entwertung desselben im Schul- und Massenstudienbereich sowie der sukzessiven Aufwertung in “Elite”-Einrichtungen und bei höheren Bildungstiteln anzusehen: Wer aus der sozialen Position seines Elternhauses nicht absteigen will, verhält sich zukünftig bereits ab dem Kindergarten als homo oeconomicus, bezahlt zudem für Abitur und Bachelor, erbringt dabei stets mehr Effizienz und Systemkonformität – und fällt schließlich mit hoher Wahrscheinlichkeit dennoch der Titelinflation und/oder Konkurrenz, die sich hintergründig mehr denn je auf der Basis ökonomischen Kapitals und kulturellen Erbes organisiert, zum Opfer, hat dieses “Versagen” jedoch als legitimes erlebt.

Die durch das derart umgestaltete Bildungssystem so weiterhin gewahrte “Verdopplung der kapitalistischen Hierarchie der Positionen […] [bleibt dabei auch und insbesondere in Zeiten zunehmender sozialer Ungleichheit zugleich] ihre stärkste Rechtfertigung: Sie stellt die Ränge und die Einkommen, welche die Gesellschaft bereithält, als Unterschiede des Wissens dar” (Dozekal 2003: 18) und verleiht ihnen so den Anschein von Legitimität. Oder, und anders herum: “Je exklusiver und homogener eine nationale Elite, umso größer [auch] die Kluft zwischen Arm und Reich” (Hartmann 2007: Einband); der Rückkehrschluss scheint nicht nur erlaubt, sondern angebracht zu sein.

Der stille Klassenkampf von oben

In den vergangenen Jahren ist es dem international vernetzten neoliberalen Diskursnetzwerk (vgl. u.a. Nollert 2005) gelungen, mit einem ganzen Konglomerat von Studien, Rankings, Pilotprojekten, Umfragen, Werbemaßnahmen etc. (vgl. u.a. Himpele 2006, Alidusti 2007: 207 ff.) auch “die bildungspolitischen Richtungsentscheidungen […] immer stärker” zu beeinflussen (Schöller 2006: 286) und einen neuen Bildungsfinanzierungsdiskurs zu initiieren (vgl. ebd.: 304), der in bereits erwähnten Zielformulierungen von “höherer Eigenbeteiligung” bis hin zu “notwendiger Effizienzsteigerung” resultiert.

Eine Folge hiervon sind die aktuell stattfindenden – und von diesen Akteuren weiter forcierten, in Teilen sogar selbst evaluierten oder durchgeführten – Reformen. Sie zielen, wie Bourdieu konstatiert (vgl. Bourdieu 2001: 82 ff.), “auf eine Überwindung der modernen Ausdifferenzierung von je spezifischen Systemrationalitäten” der sozialen Felder (Keller 2000: 322) nicht nur, aber auch im Bildungssystem und damit auch auf das Ende der seit Humboldt proklamierten relativen Autonomie des wissenschaftlichen Feldes – die ja eben definiert ist durch vor allem eigene Problemdefinitionen, eine eigene Sprache sowie feldspezifische Interessen.

Diese “Reformen” zeitigen bereits erst Resultate: “Das nun in Eigenverantwortung der Hochschulen gemanagte Studienangebot wird in einem Maße uniformiert, wie es die rigideste Ministerialbürokratie vorher nicht vermocht hatte. Der Markt produziert nicht Buntheit und Vielfalt, sondern einen mediokren Einheitsbrei” (Heinemann 2007). Kritische Positionen werden dabei mehr und mehr eliminiert. Diese “Leistungen” des “neoliberalen Projekts” (Christina Kaindl) verdeutlichen nicht nur, dass Wissenschaft abhängig von den Machtverhältnissen der Gesellschaft war und ist, in der sie sich organisiert und in der sie bisher bereits mittelbarer Zulieferer der mächtigsten Interessen war. Sie zeigen auch, dass die ökonomisch Mächtigen mittels Nachfrage, der die Struktur des Wissenschaftsbetriebs folgt, oder mittels Intervention in die Lage versetzt sind, zu bestimmen, was – in letztlich vollumfänglichem Sinne des Begriffes “Bildung” – wertvolles und also verwertbares Kulturkapital eigentlich ist: Wird die neoliberale Doxa nur kontinuierlich von Think Tanks, Medien und wissenschaftlich ausgebildeten Technokraten – die allesamt interessengeleitet sind und nicht - frei agieren – verbreitet und werden letztere zudem ständig medial als vermeintliche Experten (vgl. bspw. van Rossum 2004, Lobbycontrol 2006) mit hoher wissenschaftlicher Reputation und also gesellschaftlicher Anerkennung und Glaubwürdigkeit präsentiert, entscheiden schließlich außerwissenschaftliche Instanzen darüber, was “gute” weil “gefragte” und bewusst glaubwürdig gemachte Wissenschaft eigentlich ist.

Fußnoten:

  1. Der Beitrag beruht auf einer umfassenderen Studie: Hochschule im historischen Prozess. Zum Verhältnis von Universitätsentwicklung und Klassenmacht, Diplomarbeit an der Bauhaus-Universität Weimar, 2008.
  2. Um nur einen Akteur, der in diese Richtung agierte (und vielleicht nach wie vor agiert), zu benennen: Im Mittelpunkt ausgerechnet der Empfehlungen des Sachverständigenrates für Bildungsfinanzierung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung (HBS) des Jahres 1999 stand die Einführung von Bildungsgutschei-nen, die auf einer Kontingentierung und damit grundsätzlichen Kostenpflichtigkeit von Bildung ab der Sekundarstufe II beruhen.
  3. Mit Bourdieu ist an dieser Stelle anzumerken, dass die mittels der Einführung von Bachelorstudiengängen realisierte Bildungskürzung für die (geplante) Mehrheit der Studierenden sehr wohl auch im Interesse der heute Lehrenden liegt, welche diese schließlich allein auf politischen Druck und ohne gesetzliche Zwänge exekutieren: “Wenn man weiß, daß innerhalb der Transaktionen, in denen der Tauschwert der Bildungszertifikate festgelegt wird, die Stärke der Verkäufer von Arbeitskraft […] vom Wert ihrer Zertifikate abhängt, und dies um so stärker, je rigider das Verhältnis von Titel und Stelle kodifiziert wird – was für die etablierten Stellen zutrifft, kaum dagegen für die neuen, wird unmittelbar einsichtig, warum die Abwertung der Titel in direktem Interesse der jeweiligen Stelleninhaber liegt: Sind die Inhaber von Titeln an deren Nominalwert interessiert […], so die Stelleninhaber am Realwert der Titel […]” (Bourdieu 1987: 239 f.).
  4. Zu rechnen ist bei dieser Entwicklung auch und vor allem mit einer zunehmenden Prekarisierung des wissenschaftlichen und anderen Hochschulpersonals, das nun in “Unternehmen” arbeitet, die nachfrageorientiert und also flexibel am Markt agieren müssen. Die Online-Ausgabe des SPIEGEL (Kunze 2007) titelte diesbezüglich bereits im Juli 2007: “Lehren mit Hartz IV. Vom Superstudenten zum Betteldozenten” und berichtete von einer zunehmenden Zahl habilitierter Privatdozenten, die von nunmehr 225 Euro im Monat zu leben versuchen – eine Konsequenz aus der Tatsache, dass binnen der letzten 10 Jahre rund 1.500 Professorenstellen deutschlandweit abgebaut wurden und dieser ‚Trend‘ weiter anhaltend ist (vgl. Deutscher Hochschulverband 2007). Politisch wird derweil das in der stattfindenden Entwicklung bereits vollumfänglich angelegte Ende des Humbolt‘schen Ideals der Einheit von Forschung und Lehre, das bis dato zumindest noch bedeutete, dass es keine Differenzierung in Forschungs- und Lehrprofessuren gibt, diskutiert und zeichnet sich zudem eine (erneute) Infragestellung von Habilitation sowie ggf. sogar der Verbeamtung für Professorinnen und Professoren ab.
  5. Ein dies vor Augen führendes Beispiel illustriert die Vergabe des Arbeitgeberpreises für Bildung des Jahres 2007. Unter dem Titel Kleine Kapitalisten klärte die Financial Times vom 13. Dezember 2007 darüber auf: “Schon Fünfjährige verstehen Ökonomie. In einer Bremer Kita lernen sie als Bäcker oder Gärtner kaufen und kalkulieren. Dafür erhält die Einrichtung den Arbeitgeberpreis” (FTD 2007).
  6. Das gern beschworene “Vorbild” USA führt deutlich vor Augen, wie ein modernes kapitalistisches Bildungssystem vermeintlich ‚mehr‘ sozial Benachteiligte zu ‚integrieren‘ gedenkt: “Die Bildungsbeteiligung im postsekundären Sektor liegt in den USA vor allem deshalb so hoch, weil das Angebot an Bildungsinstitutionen in diesem Bereich außerordentlich groß ist und – weit wichtiger – weil es extrem unterschiedlich ausfällt. Von den ungefähr 4.200 Hochschulen des Landes bieten gut 1.800, in der Regel sog. Community Colleges, nur ein zweijähriges Kurzstudium an. Ungefähr 40 Prozent der Studierenden begnügen sich mit dieser Kurzausbildung. Die übrigen Hochschulen, allesamt zumindest Vierjahreseinrichtungen, werden üblicherweise in vier oder in sechs Kategorien unterteilt, von ‚tier 1‘ bis ‚tier 4‘ bzw. von ‚most competitive‘ bis zu ‚noncompetitive‘. Bei der Aufteilung in vier Kategorien zählen zur ersten knapp 150 Colleges und Universitäten, zur zweiten gut 250 Colleges, zur dritten knapp 590 und zur vierten gut 420. Den deutschen Universitäten in etwa vergleichbar ist nur die erste dieser vier Gruppen, weil dort in der Regel Forschung stattfindet und auch promoviert werden kann. Die Kinder aus den verschiedenen Klassen und Schichten der US-Gesellschaft verteilen sich sehr ungleichmäßig auf diese vier Hochschultypen. Kommen die Studierenden an den Hochschulen der Kategorie 1 zu drei Vierteln aus dem obersten Viertel der Bevölkerung und nur zu 3 bzw. 6 Prozent aus den beiden unteren Vierteln, so bietet sich an den anderen Hochschulen je nach Qualität ein vollkommen anderes Bild. Der Anteil des obersten Viertels sinkt auf 46 Prozent in der Kategorie 2, auf 35 Prozent in den Kategorien 3 und 4 und auf nur noch 22 Prozent an den Community Colleges. Spiegelbildlich verkehrt steigt der Prozentsatz der Kinder aus der unteren Hälfte der Bevölkerung, von 9 Prozent (Kategorie 1) über 25 (Kat. 2), 29 (Kat. 3) und 37 Prozent (Kat. 4) auf eine Mehrheit von 51 Prozent an den Zweijahreseinrichtungen […]. Das bedeutet, dass die übergroße Mehrzahl der Studierenden aus der unteren Bevölkerungshälfte entweder nur eine zweijährige Hochschulbildung durchläuft oder an den Hochschulen der beiden schlechteren Kategorien ausgebildet wird” (Hartmann 2005: 2 f.).
  7. Alle mir bekannten aktuellen Maßnahmen dieser Couleur setzen als Prämisse, dass die de facto bei weitem zu niedrigen staatlichen Zuwendungen für das Bildungssystem konstant bleiben oder gar reduziert werden müssen; erst hieraus leiten sich dann die jeweiligen “Forschungsfragen” ab, deren Antworten so tatsächlich bereits festgelegt sind. Derlei Fragen lauten dann bspw.: Wie ist es möglich, Studiengebühren ‚sozial gerecht‘ zu machen? (Was ob der diesen immanenten Abschreckungswirkung auf “Ärmere” (vgl. ABS 2005) respektive eben der Tatsache, dass historisch nachgewiesen eben auch bei Bildung der ‚Preis‘ die ‚Nachfrage‘ bestimmt (vgl. Achelpöhler et al.: 25 ff) per se unmöglich ist.) Oder eben: Wie kann bei gleichbleibend hoher oder sinkender Finanzierung seitens des Staates die “Qualität” von Bildung verbessert werden? Die Antwort hierauf lautet dann, wie könnte es anders sein: Mittels mehr Wettbewerbs und Konkurrenz sowie ggf. einer höheren finanziellen Eigenbeteiligung (für die ja bereits, als Antwort auf die erste Frage, Gerechtigkeitskonzepte erarbeitet worden sind). – Was hier tatsächlich organisiert wird, sind denn auch weniger Gerechtigkeit oder Qualität im Sinne ihrer bisherigen Bedeutungen, als vielmehr neue Verständnisse hiervon (vgl. Bultmann/Schöller 2003: 10 ff., Alidusti 2007: 203 ff.).
  8. Die Quantifizierung von Qualität, das Messen also bspw. der vermeintlichen “Qualität” von Bildung oder gar des Hochschulsystems anhand diesem äußerlicher Kriterien, stellt aktuell wohl das größte demagogische Unterfangen dar: Zum einen unterstellen derlei Quantifizierungen nämlich die Diskussion darüber, was Bildung eigentlich ist, der willkürlichen Festlegung jener – Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), OECD etc. –, die quantifizieren (vgl. Markard 2005); sie entreißen Bildung somit aus dem diskursiven demokratischen Definitions-zusammenhang. Zum anderen wird durch derlei Übertragung der Deutungshoheit über den Qualitätsbegriff an solche Instanzen, die nun selbst festlegen, was Bildung und Qualität derselben eigentlich ist, diesen jedoch auch mittelbar Zugriff auf das Bildungssystem und dessen Bestimmung gewährt, wie bspw. Rankingkritiker Meik Michalke illustriert, wenn er konstatiert, das Hochschulranking von SPIEGEL/McKinsey und AOL habe anhand seiner Kriterien vor allem eines real gemessen, nämlich “wo die Qualität des jeweils vorhandenen Humankapitals an Hochschulen am höchsten” (fzs 2005: 15) sei – und dies dann als ‚Qualität‘ darge-stellt. In der Folge ergibt sich eine Situation, in der das gesamte und vermeintlich mittels Rankings qualitätsüberprüfte Bildungssystem unter Reformdruck hin zur Produktion humankapitalorientierter ‚Bildung‘, die eher Anwendungswissen denn Weltverstehen beschreibt, gerät. Die gemessenen Leistungsunterschiede werden in diesem Sinne erst künstlich hergestellt – nur die geringste Abänderung der Messkriterien katapultierte ggf. eine schlecht-gerankte Hochschule von einem hinteren auf den vordersten Platz (vgl. Michalke/Naß/Nitsche 2007). – Ebenso ist staatlicherseits auch bei der so genannten ‚Exzellenzinitiative‘ (hierzu auch: Münch 2007) verfahren worden: Anhand der gewählten Messkriterien stand sozusagen bereits von Anfang an fest, wer als deren Sieger aus ihr hervorgehen würde (vgl. Hartmann 2006). Auch dieser “Wettbewerb” diente insofern vor allem einem: der öffentlichen Unsichtbarmachung/Legitimierung des forcierten “Matthäus-Prinzips” (R. Merton) – der, auf Kosten aller anderen gehenden (ebd.), bewussten Konzentration knapper Mittel auf nur noch die wenigsten.
  9. Meinungsumfragen werden in aller Regel von ihren (privaten) Auftraggebern bereits so organisiert, dass sie eben die gewünschten Antworten liefern. Insofern eignen sie sich hervorragend als Herrschaftsinstrument, vermitteln sie in ihrer Konsequenz doch als wissenschaftlich fundierte vermeintliche ‚Wahrheit‘: ‚Ihr wollt es doch so!‘ oder eben: ‚Ihr Kritiker seid in der absoluten Minderheit, findet Euch mit dieser Niederlage ab!‘ (zur sogar nachträglichen Manipulationen von Umfragen zum Thema Studiengebühren seitens des CHE vgl. Himpele 2006). Bezüglich des Bildungssystems hat hier erst kürzlich die GEW (2007) – in Reaktion auf eine Umfrage, die vermeintlich ergab, eine Mehrheit der Deutschen sei per se für das dreigliedrige Schulsystem – exemplarisch derlei Zusammenhänge aufgedeckt.
  10. In Nordrhein-Westfalen schrieb das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), ein Think Tank, der aus Mitteln der Bertelsmann Stiftung finanziert wird und daher den hinter dieser stehenden Interessen verpflichtet ist, nicht nur (mehr oder minder) selbst das neue ‚Hochschulfreiheitsgesetz‘, sondern ist überdies nun auch mit der Überwachung dessen Umsetzung an den Hochschulen betraut (vgl. Lieb 2007b).
  11. “Als es in Frankfurt vor einiger Zeit um die Berufung von Alex Demirovic ging, der erklärtermaßen die Kritische Theorie vertrat, hat sich der jetzige Präsident Rudolf Steinberg öffentlich damit gebrüstet, dass er seine Anstellung durch entsprechende Gutachten verhindern konnte. In Bremen werden die international sehr renommierten Lehrstühle für Behindertenpädagogik von vier auf zwei reduziert. Hier hatten Georg Feuser und Wolfgang Jantzen einen innovativen Ansatz vertreten, der gegen die Aussonderung und Stigmatisierung von Behinderten gerichtet war. In Marburg wird die Nachfolge des Politikwissenschaftlers Frank Deppe blockiert. Deppe galt als letzter Vertreter der von Wolfgang Abendroth begründeten Schule marxistischer Politikwissenschaft. Als sein Schüler Dieter Plehwe auf der Berufungsliste auftauchte, zog es der Marburger Präsident Volker Nienhaus vor, den Lehrstuhl ganz zu streichen [usw. usf.]. […] Einerseits geht es sicher um politische Disziplinierung, andererseits [aber auch] um die stromlinienförmige Ausrichtung auf den Bologna-Prozess, der auf keinen Fall gestört oder verzögert werden soll” (Karl-Heinz Heinemann, zitiert nach Stegemann 2007b).

Literatur

ABS (2005): Argumente gegen Studiengebühren. Eine Widerlegung von Behauptungen, Aktionsbündnis gegen Studiengebühren-Broschüre 2, 4. Auflage, http://www.abs-bund.de/_blobs/1836/broschuere_2.pdf

Achelpöhler, W. et al. (2007): Die Einführung von Studiengebühren und der internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (UN-Sozialpakt). Stellungnahme der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und des freien zusammenschlusses von studentInnenschaften (fzs), http://gew.de/Binaries/Binary27834/sozialpakt_innenteil_web.pdf

Alidusti, K. (2007): Wie das CHE Inhalte stiftet – die ‚Politikberatung‘ der Bertelsmann-Tochter, in: Wernicke, J./Bultmann, T. (Hrsg.) (2007): Netzwerk der Macht – Bertelsmann. Der medial-politische Komplex aus Gütersloh, 2. überarbeitete Auflage, Marburg, S. 195 – 214

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Bultmann, T./Schöller, O. (2003): Die Zukunft des Bildungssystems: Lernen auf Abruf - eigenverantwortlich und lebenslänglich! Oder: die langfristige Entwicklung und politische Implementierung eines postindustriellen Bildungsparadigmas, http://www.sozialplenum.de/privatisierung/2006/schoellerbultmann.pdf; auch in: PROKLA 131, Juni 2003, S. 331 – 354 (die Zitate beziehen sich auf die Internetveröffentlichung)

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van Rossum, W. (2004): Meine Sonntage bei Sabine Christiansen. Wie das Palaver uns regiert, Köln

Dieser Beitrag erscheint in Heft 74 von Z Zeitschrift Marxistische Erneuerung, Juni 2008. Das Heft hat den Themenschwerpunkt “Kritik der neoliberalen Bildungspolitik”.
www.zeitschrift-marxistische-erneuerung.de

Verantwortlich: Wolfgang Lieb | http://www.nachdenkseiten.de/

Original-Link: http://www.readers-edition.de/2008/05/19/bildungsreform-als-herrschaftsinstrument/ 

11. Juni 2008

Studiengebühren in Hessen grundsätzlich nicht verfassungswidrig

Abgelegt unter: Hochschule, Nachrichten — Dano @ 14:58

Der Staatsgerichtshof in Hessen hat mit einem heute verkündeten Urteil entschieden, dass Studiengebühren in Hessen nicht der Landesverfassung widersprechen und somit jederzeit wieder durch CDU/FDP neu eingeführt werden. Die Abstimmung der Richter war deutlich knapp: während sich 6 Richter mit dem Verweis auf soziale Verträglichkeit der Gebühren durch ausreichende Kreditangebote für das Bezahlstuium aussprachen, votierten 5 der Richter dagegen. Auch der neue Präsident des Gerichtshofs Klaus Lange verurteilte die Mehrheitsentscheidung.

In einem zweiten Abstimmungsprozess im hessischen Landtag wollen Linke, SPD und Grüne die Abschaffung der Gebühren endgültig beschließen.

weitere Informationen auf: http://www.uebergebuehr.de/de/aktuell/news/meldung/ansicht/2008/06/verloren/

1. Juni 2008

Wahlmaterialien SDS

Abgelegt unter: Hochschule, Materialien, Nachrichten — Dano @ 14:08

### AKTUELL ### AKTUELL ###

Abgelegt unter: Allgemein, Hochschule, Materialien — Dano @ 13:33

HOCHSCHULWAHLEN UNI REGENSBURG

Geht alle zum wählen am Dienstag, den 17.06.2008.

Eure Stimme für mehr Demokratie, eure Stimme für mehr Selbstbestimmung, eure Stimme für den SDS. Eine andere Universität ist möglich!

(weiterlesen…)

26. Mai 2008

NRW: Rassistischer Fragebogen für ausländische Studierende

Abgelegt unter: Hochschule, Nachrichten — Dano @ 14:31

In Nordrhein-Westfahlen (CDU-regiert) müssen ausländische Studierende nach einer Geheimabstimmung des Innenministeriums einen Fragebogen ausfüllen, in dem sie ihre politische “Gesinnung” preisgeben müssen. Dabei sollen vor allem mögliche Al-Quaida-Mitglieder dingfest gemacht werden. Betroffen von dem Fragebogen sind daher vorwiegend muslimische Studierende aus dem Ausland sowie Menschen aus Nord-Korea. Während die Universität Münster bereits dagegen protestiert und der FZS (Freiwilliger Zusammenschluss der Studierendenschaft) von Einschränkung des Persönlichkeitsrechts und von “rassistischen Gesinnungstest” spricht, wiegel das NRW-Innenminiserium ab und Verweist auf das im Jahr 2004 verschärfte Zuwanderungsgesetz und die Aufgabe des Staates sich gegen Extremismus zu schützen. Fakt ist jedoch, dass solch ein Test ausländische und muslimische Studierende massiv diskriminiert und somit das Misstrauen und die Fremdenfeindlichkeit in der Gesellschaft weiter fördert. Menschen werden einfach unter Generalverdacht gestellt, bloß wegen ihrer religösen Zugehörigkeit.

23. Mai 2008

RCDS fordert Einschränkung des Wahlrechts für Arme

Abgelegt unter: Hochschule, Kapitalismus, Politik — Wolfgang @ 19:55

In einem Bericht der BILD fordert der Vorsitzende des CDU-nahen Studierendenverbandes Gottfried Ludewig (25) eine Einschränkung des Wahlrechts für all diejenigen, die seiner Meinung nach nicht die Leistungskaste dieser Gesellschaft darstellen. Da Ludewig der höchste Repräsentant des RCDS ist, spiegelt seine Meinung gleichzeitig auch die Meinung des gesamten RCDS wieder und damit verbunden ihr verkümmertes Demokratieverständnis. Wortlaut Ludewig: “Diejenigen, die den deutschen Wohlfahrtsstaat finanzieren und stützen, müssen in diesem Land wieder mehr Einfluß bekommen. Die Lösung könnte ein doppeltes Wahl- und Stimmrecht sein.”

Diese Form von sozialdarwinistischen Denkmustern ist im Zeitgeist des totalitären Kapitalismus zwar nichts ungewöhnliches, zeigt uns SDSlern aber, wie wichtig es ist, dass wir als solche existieren. Einen “kühnen Vorschlag” nennt BILD die Äußerungen Ludewigs, und beweist damit dass nicht nur Ludewig, sondern auch die ein oder andere Redaktion demokratisches Prinzip nicht hinreichend verstanden hat.

Quelle: Bild.de

22. April 2008

Die juristischen Fakultäten klagen gegen den Hochschulrat.

Abgelegt unter: Hochschule, Nachrichten — Dano @ 15:36

Kämpfen für Humboldts Ideale

Die juristischen Fakultäten klagen gegen den Hochschulrat. Morgen ist die mündliche Verhandlung.

Regensburg. Von Christian Gressner, MZ (16.04)

Es ist eine Entscheidung, die langfristige Konsequenzen für die Hochschullandschaft nicht nur in Bayern, sondern in Deutschland haben wird: Für morgen hat der Bayerische Verfassungsgerichtshof eine mündliche Verhandlung zu der Popularklage aller juristischen Fakultäten an den bayerischen Universitäten angesetzt. Denn die Hochschullehrer sehen durch das Hochschulgesetz vom Mai 2006 die durch die bayerische Verfassung garantierte akademische Selbstverwaltung und das Grundrecht auf Wissenschaftsfreiheit verletzt. Mit der Klage wollen die juristischen Fakultäten auch mehr Mitbestimmungsrechte bei der Berufung von Professoren einfordern. Die zuständigen Hochschulleitungen verfügten über keine hinreichende Fachkompetenz. Ein Termin für die Urteilsverkündung steht jedoch noch nicht fest.

Reformeifer war zu groß

Der für eine Popularklage ungewöhnliche Termin „bejaht die grundsätzliche Bedeutung dieser Entscheidung“, sagte der Bayreuther Jura-Professor Wolfgang Kahl der MZ. Er vertritt die Fakultäten vor Gericht. Nach seiner Ansicht hat der Gesetzgeber in Bayern mit der Hochschulreform den Bogen überspannt. Die Hochschullehrer kritisieren vor allem Artikel 26 des Gesetzes. Dort sind Zusammensetzung und Aufgaben des Hochschulrats beschrieben – ein Gremium, das nach Ansicht aller bayerischen Jura-Fakultäten zu viel Einfluss auf fachspezifische Entscheidungen nehmen kann.

In dem Rat sind die Professoren mit weniger als einem Drittel der Stimmen vertreten. Einen starken Einfluss – die Hälfte der Stimmen – haben dagegen „Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kultur und insbesondere aus Wirtschaft und beruflicher Praxis“, so das Gesetz. Sie sind nicht Mitglieder der Hochschule, sondern sollen nach den Wünschen des Gesetzgebers Impulse von außen geben. Doch sie können mit ihren Stimmen zum Beispiel die Einstellung eines Studienganges entscheidend beeinflussen. „Wir haben es dann mit einer anderen Universität zu tun als bisher“, so Kahl, das Humboldt’sche Ideal der Selbstverwaltung wäre dahin. Die neue Hochschule würde „wie ein privates Unternehmen nach Effizienzpunkten und durch Aufsichtsräte geführt“. Zeitaufwendige und riskante Projekte, wie in der Grundlagenforschung nötig, wären nur noch schwer durchführbar. „Wenn das Gericht den neuen Typus zulässt, kann die Universität jede Form annehmen, die der Gesetzgeber will“, befürchtet Kahl.

„Es wird kein Persilschein kommen“

Doch er hofft bei dem Verfassungsgerichtshof auf eine Entscheidung in seinem Sinne. „Verfassungsrechtlich unzulässig ist eine Organisation der Hochschule, die Gefahren für eine freie wissenschaftliche Betätigung bringt“, heißt es in der Begründung der Klage. Dies sei aber dann der Fall, wenn die Professoren unter den stimmberechtigten Mitgliedern des Rates in der Minderheit sind. „Wir sind zuversichtlich, dass das Verfahren gewonnen wird“, sagt Kahl. „Es wird kein Persilschein für den Gesetzgeber kommen.“
Quelle: http://www.mittelbayerische.de/hochschule/artikel//kaempfen_fuer_humboldts_ideale/223956/kaempfen_fuer_humboldts_ideale_1.html

27. März 2008

Umbennung der FHs in “Hochschulen”

Abgelegt unter: Hochschule — Hannes @ 10:29

Mehr Schein als Sein?
In den letzten Jahren ändern auffällig viele Hochschulen ihren Namen. Beliebt ist die Ergänzung um schöne Zusätze wie “Forschungsuniversität” oder “University of Applied Sciences”. Auch die Erneuerung oder das kompletter Redesign der Logos und überhaupt des ganzen Designs nimmt in den letzten Jahren auffällig zu. Oliver Iost hat sich umgeschaut. (weiterlesen…)

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